Selbstbetrachtung


Wenn man
im Lehrerberuf
auch viel Widerwärtiges hat,
so ist es doch
immer noch besser,
als mit Holz und Steinen
und dergleichen umzugehen.
An Menschenseelen
zu arbeiten,
die zum Ebenbild Gottes
bestimmt sind,
das ist
etwas Großes
und Wichtiges.



Ich muß
jeden Tag in der Schule
so viel,
ja noch mehr
lernen
als meine Schüler,
sonst ist´s gefehlt.



Meine Fehler sind
meine besten Lehrmeister
gewesen.



Sobald ich
aufhöre,
Fehler zu machen
und es zu sehen,
so bald
hört das Lernen auf.



Ich mache nicht gern
viele Worte,
sondern möchte so reden,
daß auch noch
etwas zum Denken
übrig bleibt.
Einer,
der gute Zähne hat,
würde es ja übel nehmen,
wenn man ihm
das Brot
nicht nur vorschneiden,
sondern auch
vorkauen wollte.



In drei Tagen gehe ich in das
fünfundsiebzigste Jahr ein.
Ich sehe
in den zurückgelegten
vierundsiebzig Jahren
von Seiten Gottes
nichts als Gnade
und Barmherzigkeit
und von meiner Seite
nichts als Mängel
und Gebrechen.



An mich soll
niemand sich hängen,
ich hänge mich
auch an niemand.




Ralf Rabemann

texte/veroeffentlichungen/kolb-immanuel/selbstbetrachtung.txt · Zuletzt geändert: 2010/01/29 16:05 von rabemann
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