Wahrnehmungen


Das einzig Wahre

(inspiriert durch einem buddhistischem Text)

Wer meint,

er wäre in auch nur einer Sache

nahe der Wahrheit,

der möge folgendes bedenken:



Nicht alles Gegenwärtige

gelangt zur Betrachtung.

Nicht jede Betrachtung

gelangt zur Anschauung.

Nicht alles Angeschaute

gelangt zur Wahrnehmung.

Nicht alles Wahrgenommene

erreicht das Erkennen.

Nicht alles Erkannte

gelangt zur Annahme.

Nicht alles Angenommene

wird behalten, wie es ist.



Und selbst dieses Behaltene

schwindet weiter dahin,

denn ständig wandelt es sich

und ständig formt es sich zu dem,

wie wir gerne hätten es.

Daher bleibt uns

selbst von dem,

was uns auf diesem Weg

erreicht vom wahren Sein

nur noch ein Weniges,

was uns an Wahrem soll sein,

daher schätze ein jeder

sein Sehen der Wahrheit

als klein.



Wirklichkeit

Gegenüber des Erträumten

ist die Wirklichkeit

so grausam wahr

und so enttäuschend anders

als eben die,

die haben hätten wir gewollt.



Und so erwarten wir

eine uns andere Zeit

nicht so, wie sie ist,

sondern warten auf sie

als eine unsere,

die sie uns soll sein,

bevor wir ihr sind.



Ob uns jedoch die Zeit

so kommen mag

ist fraglich,

denn vielleicht

will auch sie nicht uns,

so wie wir sind

und ist uns letztlich

darin ähnlich,

dass auch sie anderes erwartend

uns trachtet hinterher

und will fügen

unser Wirken, unser Tun

und unser Sein

ebenso anders,

wie wir ihr zugedacht,

daß sie uns

anders soll sein.



Dann hätten genau so,

wie wir dies

erwarten von ihr,

auch wir zu sein

ganz andere

und die Zeit

würde warten dann auf uns

als völlig andere,

die wir dann wären ihr

statt sie die unsere.



Anlaß gäbe es genug,

auch bei uns

auf anderes zu warten:

Denn wenn etwas

heut' nicht geht -

wie oft

säumen wir da morgen?

Und gerade da,

wo's sinnvoll wär',

im Tun zu zögern nicht,

da bleiben und da bleiben wir

oft ungewiss und wag'

und immer wieder wartend auch

und warten, warten oft

auf nichts bis irgendwann -

und warten dann,

bis nichts mehr geht -

wie oft folgt dann diesem

schon das nächste, nächste nach,

das genauso bleibet ungetan?



Wie könnte also

dieses unser Zaudern

die Welt um uns,

wie könnte dieses Zögern

die Wirklichkeit,

wie könnte solches unser Tun

unsere Zeit denn mögen,

von der wir uns so oft wünschen,

das sie uns anders sei,

als sie uns ist?



So würde warten dann auf uns

die unsere Zeit der Gegenwart,

in der alle finden sich

zur einen Welt,

in der wir sind

oder meinen zu sein.



Die Gegenwart jedoch

hat soviel Zeit,

weil sie nie vergeht

und ständig bleibt,

und bestehet allem vor,

genauso weit,

bis folgt das nächste

jenem Fluß der Zeit,

der ihr sogleich entspringt

und fliesst ins Gestern dann

am Heute flugs vorbei -

so wird sie einem Brunnen gleich

ständig neu in sich

und kann neue Zeit erfliessend

stille vorwärts gehn

in ihrem ewig Sein.



Und machen wirs der Zeit

nicht recht nach ihrem Maß,

so macht es passend

ihr vielleicht

der nächste schon,

der in ihr

wird kommen irgendwann,

wenn wir sind schon lang

vergangen dann.



So stehen alle wir

und schauen in die Zeit,

die zehrend uns durchfliesst

als seiend Gegenwart

und warten oft

mit ihr ganz still

auf das von uns Gewünschte

und warten und warten

dann auf sie,

bis alles uns passend ist

und auch sie

wartet und wartet dann auf uns,

wie sie uns will

nach ihren Wünschen -

kann sie doch

viel länger warten.



Denn uns Menschen

ist an Zeiten

diese eine nur,

die uns eine ganze Weile

gegenüber wartend ist

als eben die,

die sie uns will sein

unserem kurzen Sein

in dieser einen Welt

in dieser einen Zeit,

die sie uns ist

und in der wir

eben lebend sind.



So kommen uns

nur wenig nächste, andere Zeit,

als dass wir lange

könnten warten,

denn selbst,

wenn diese dann

sich passend formt

nach unser'm Gusten

wie auch wir erwarten sie,

so kommen sie wahrscheinlich

zusammen schon mit denen,

die dann nach uns

in ihr seiend sind

und werden sein dann dort,

wo wir einstmals

wartend waren,

während wir dann

nicht mehr sind

und werden haben dann

ein neues Sein

in jener Anderwelt,

von der keiner weiss,

ob sie uns wird sein

und ob sie uns wird halten,

was wir uns jenseits

der gegeben Zeit,

und jenseits

uns'rer Gegenwart in ihr

versprochen haben

und versprechen noch.



Dennoch warten weiter wir

in dieser Gegenwart

in dieser hier, in der wir sind

und stehen still

und sehnen und reden

und reden vom Sehnen

und wandeln weiter träumend nur

und zögern hier und zagen da,

als hätten wir in unserer Zeit

ein ewig Sein den Göttern gleich -

und dabei sind wir Menschen nur

lebend in der Endlichkeit.



Als solche Menschen stille stehend

gehen stille wir durch unsere Zeit,

weiter durch ein großes Träumen

und weiter in die nächste Zeit,

die uns täglich neu

als seiend Mögliches erscheint

und die ständig wartet auf uns

als Gegen,

welches ständig sich erbaut

aus all dem gewesen Sein

und all dem,

welches noch will sein

im Jetzt und Später -

dieses hebt aus Wünschen sich

und Träumen auch

und aus stillem Sehnen -

einem Sehnen auch

nach Anderssein -

passend zu uns, wie wir meinen,

das wir mögen werden

und wie es uns soll werden

und wie alles sollt sein -

wenn nicht im Hier und Jetzt,

dann im Vielleicht und Später.



So stehen und so sehnen

stille alle wir

und so wartet, wartet alles

und wartet mit trauriger Gestalt

und lachender Hoffnung zugleich

auf unser vermeintlich Glück -

so wie wir meinen, es sollt sein

und wie es wird auch werden dann -

nur oft anders, als wir meinen.



Und all die andern,

die da um uns sind

- das sind alle die,

die da warten noch

in unserer Zeit auf uns

wie auch wir erwarten hier

ein etwas, irgendwas und irgendwann

von jenen oder von ihr,

der gegenwärtig Zeit,

in der doch alle sind

und sind auch nicht,

solang wir gehen unsere Wege nicht

in dieser einen Zeit des Seins.



So warten alle auf die eine Zeit,

die allen ist

und die jeder will haben als die seine -

dabei ist sie ständig dem schon da,

der sie sich zu nehmen weiß,

denn nehmen kann man sie durchaus -

diese kurze Zeit des Erdenseins,

die uns Menschen hier gegeben

und die da ständig kürzer werdend

wartet hier auf jeden von uns

in jeder Gegenwart

mit einem stillem Sehnen

ganz gleich dem Wahn,

mit dem wir uns

nach einer anderen

verzehren.



Und jedoch die Zeit sich nimmt,

als die sie ist,

der hat auch sich,

so wie er ist

und wie er soll sein in ihr,

der Zeit

und kann sodann in ihr

nach seinem Werden streben.



So kann kann auch die Zeit

ihn nehmen wie er ist

und wie er in ihr werdend ist

und gibt ihm und geht mit ihm

den Gang zu seinem Leben.



Erwartung

Lässt erst eine Gier

nach grossen Glücke

im weiten Raum der Sehnsucht

Phantasie und Wünsche wuchern,

dann fügen diese sich

als prächtige Erwartung

genau in unserer Seele Lücke,

so kommt uns da

im kargen Tuch der Realität

die ganz so anders

geformte Seinsgestalt

der Wirklichkeit entgegen

und strebt uns ebenso

erwartend-sehnend

entgegen.



Daher warten auch wir

diese enttäuschend

und warten enttäuscht

wie diese auch.



Und immer wieder winken die,

und immer wieder winken auch wir

und immer wieder rührt man sich

und immer wieder freut und freut man sich

und streckt aus Hände zur Begegnung vor

und immer wieder fühlt man sich

und fühlt sich und fühlt sich

und fühlt solange sich

so sehr, so sehr,

bis man in Gänze

sich fühlt mit diesen,

also nicht mehr nur sich,

sondern ein mehr mit ihnen

oder ein wir alles vielleicht -

wäre da nicht,

was uns fehlt an diesen

und was fehlt an uns auch diesen

und wäre da nicht das eine,

was uns fehlt an anderen,

was diesen nur fehlt

nur weil es fehlt am eigenen Selbst.



Und solange dies so ist,

bleibt alles Ganze aus

ganz und gar,

weil sich oft die Welt

nicht fügen will

dem Wunsch nach dem,

das nicht kann sein

und all den andern unerfüllten Wünschen

und nach dem einen Ganzen,

das sie uns gibt,

weil sie nicht anders kann

als nur ganz so zu sein,

wie sie als Ganzes ist

sich selbst gegeben.



Doch hätten wir sie

so gerne gewählt,

die Welt -

als ganz für uns,

als ganz wie sie uns ist

und als Kinder,

die wir ihr sind -

so sehr sind,

dass wir sie gewählt,

wie sie uns wurde und ist

und dennoch soll sie dann sein,

was sie uns soll sein

oder wäre uns anders dann

ihr neues Sein erträglich?



Ach, diese von uns

erwartet Welt,

die will sich der Erwartung

dieser uns Kinder

nicht und wieder nicht

und wieder nicht so fügen,

wie sie es doch soll,

so unbedingt soll,

wenn sie uns gefallen wollte.



Ach, diese von uns erwartet Welt!

- wenn sie nur wär,

wie wir sie uns vor-gestellt -

vor-gestellt vor all das,

was sie ist

und wo wir sind

und was wir könnten sein in ihr -

jedoch so vorgestellt vor ihr Sein

steht uns diese ganz verstellt,

nämlich dahinter,

immer knapp hinter dem,

wo wartet unser Gegen

als der von uns

andere Teil von ihr,

als ein nur ihr und

nur uns passend Entgegenwartendes

und als Ausgleich für alles,

was uns Ausgleich fehlt

zum Ganzen an ihr,

zum Sein im Ganzen,

und weiter fehlen muß,

solange wir sind

in ihr so wie so ist

in ihrem jetzig Sein.



Die Welt jedoch,

die will und will nicht

und will immer wieder

nicht die sein,

die sie unseren Wünschen ist

und soll so dann auch sein

weit da draussen

jenseits vom ich.



Und so suchen wir

Wirklichkeit zu formen:

Hier weniger – träumend - verplant,

und dort mehr fester, zwingender Teil

schön geplanter Zukünfte -

und gerade da enttäuscht sie uns

wo sie nicht ganz so wird,

wie sie sollt sein -

- die Böse - ,

bei all dem,

was wir von ihr gewollt,

als wir gewählt

das Sein in Ihr,

um Sein zu sein

im Sein des Ganzen.



So suchen dies eine Gute

weiter wir - noch mehr.

Und suchen Gutes dann solang,

bis alles Gut Gut uns allen ist

und wird zu Plänen und zu Gütern

noch und noch

gar bis zum Menschen hin.

Denn auch die sollen doch

zu Gütern werden

guter Wirklichkeit,

so wir haben können,

was uns gegeben scheint

und wir deshalb meinen,

dies nehmen zu können von ihr

als ein immer neues Erstes dessen,

was wir noch nehmen werden

oder noch weiter wollen von ihr -

solange,

bis nichts mehr ist

als nur Gutes bei uns

und Gutes auch,

das noch zu nehmen ist

und auch wir als Nehmer,

die mithaben all dies

als Güter und als Pläne,

an Gut und Gütern zu haben

mehr als genug.



Und mangels Wahl

lassen wir wieder und wieder

und immer wieder Hoffnung

auf und zu -

auch jene Hoffnung,

welche zugleich Ängste uns beschert

und nun Gewünschtes mahnend

fast zwingend schon zur Planung treibt

in dieser Gut uns werdend Welt

und öffnet somit uns die Wirklichkeit

zu einem wahrhaft glücklich Sein.



Und immer wieder schreckt man auf:

jetzt jetzt wird es anders,

wird es richtig,

wird es besser,

wird es recht

und nie wieder wird es schlecht -

angeblich.

Und so wird jeder Stein

hier wichtig sein

zum endlich Gut auch hier

Endlich gut!

Endlich Gut!

Endlich! Endlich!



So wird unser Ursprung,

unser Ziel in ihm

und selbst die Natur an sich

beglückt in solcher Weise,

indem man auch dort sich richtig rückt,

was offenbar

nie richtig war bei diesen -

so sagt man sich heut.



Jedoch wird es fortan

niemals wieder

richtig sein können,

nachdem es ist korrigiert -

daher korrigiert und korrigiert

man weiter am Sein

und am Gang der Zeit

und an allem Sein darin

und auch an unserer Begegnung darin

und man plant und plant

als immer Bessere

das immer Beste

weitab von dort,

wo alles ist und wo wir sind

- so verrückt ist es schon.



Dann aber wieder

und immer wieder

weicht man erneut zurück

gezwungener Maßen -

vorerst bis zum nächsten Schritt

und manchmal bis zum ersten auch.



Denn dann ist es doch wieder

so leicht, so leicht,

wieder und wieder enttäuscht zu sein

und gleich wieder voll Erwartung,

voll Hoffnung und Ziel,

statt geduldig zu harren,

was man ist und wo und wie

und was man hat

und hat auch nicht

und wird auch niemals wirklich haben,

um zu pflegen und zu legen

des realen Lebens wahres Glück

in Anbetracht des großen, großen,

dieses großen „was wäre“

und dieses „jetzt erst recht“ -

scheinbar so greifbar nah

schon wieder.



So vergeudet und so geudet man

den einen Tag,

das eine Jahr,

die eine Generation

genauso wie zuvor

und verlebt aus Angst

vor der Wahrheit

und lebt aus Angst

vor der Wahrheit Unklarheit

diese Geplantheit am Sein

geboren aus Unmengen

an Wünschen an Haben,

denn das immer mehr, mehr

vom Leben haben wollen,

das inzwischen nur noch ist

der jeweilige Rest der Neigen

vom unerfüllten Sein

eines jeden in ihm
- erfüllt, gefüllt, erfühlt,

was selbst man sich

hat zugedacht

und hat für sich

noch nicht erreicht

und wird auf diesem Weg

auch niemals reichen.



Und immer wieder bleibt

an Hingabe und Trautheit

und an Erfahrung nur diese eine,

der wir uns so gerne geben,

weil sie uns so sehr ist die eine,

die wir ihr sind -

nur nicht ganz,

weil wir nicht sind

im Ganzen hier.



Da bleibt sodann

die eine

immer wieder erste Erfahrung nur:

wieder und wieder

sich trauen

einer eigen Wirklichkeit,

um sich genau

dies eine Gefühl zu geben

als Sehnsucht

und als Tausch für Heimat

oder für das,

welches wir halten für dies

zwischen all dem,

was wir nennen

das Eigen -

welches uns

nicht mehr ist

als ein Bild

in realer Dinge Lauf

und nicht mehr

als jenes Leben,

welches uns heute ist recht,

und morgen

gerade noch würdig,

so dass der,

den wir heute noch lieben

voll Liebe und Dank

morgen ist schon wieder

das Letzte, Allerletzte

und wir schreiten

Allerneuestes

hinter uns ziehend

fortschrittend weiter, weiter

mit Hurra, Hurra

und einen Tschüss

in aller Munde.



Und immer wieder

sind wir gewiss:

es lag wieder nur

daran oder daran

oder weil etwas nicht passte

zur immer gleichen

und doch immer neuen

Vorstellung vom Glück,

so dass wir danach

wieder wagen zu hoffen

und hoffen zu wagen

auf das nächste beste,

endlich Richtige,

den oder die oder das Richtige,

den oder die oder was es

zu haben gilt

oder wie es sollt sein

uns allenthalben

bei und mit all dem um uns -

genannt „die Welt“,

die noch immer wartend ist:

Welch ein Glück,

dass gerade hier könnt' sein:

Welch ein Glück!

- Glück in ihr,

wenn wir hätten,

was wir hätten gern

oder was wir meinen,

haben zu müssen

oder es meinen zu haben schon.



Dabei wären so einfach zu scheiden

die Träume der Seienden

von den Räumen des Sein.

Stattdessen leben wir

diesen einen, einen Traum nur noch

von all diesem Wollen am Haben,

diesen einen Ersatz noch

und den Wünschen nach

von da ein klein wenig mehr,

von dem, das schon ist,

nur damit es uns anders ist

als es ist aus sich -

solange, bis alles nicht mehr ist,

was es ist aus sich

und alles so sehr frei,

so sehr neu

so sehr anders ist,

dass nichts mehr ist -

nur noch dies und das,

das uns zu sein hat,

was es uns soll sein:

das große Haben vom Sein.



Dabei sind doch immer beide,

wir und unser Gegenüber -

zugleich wir und die Welt,

zugleich Sein und Wunsch

zugleich ich und nicht

so schwach und so real -

und sind doch beide zusammen

genau deshalb so stark,

weil nicht mehr allein im Sein

und nicht mehr zweifelnd, suchend,

anderem nicht fluchend,

weils einmal nicht passt

gemäß dem, was passend wir meinen.



Und wären wir

nicht mehr suchend

nach Anderem, Neuem

oder dem Einen sogar,

den es ohnehin nicht gibt,

so wie es uns recht wäre,

würden wir nehmen, was ist,

und gerne nehmen das Glück,

und nehmen uns lassen von ihm

gerne, gerne

und gerade so,

wie man selbst ist

und gerade so,

wie es kommt dann einem

aus der Welt, wie sie ist,

weil auch alles andere,

weil auch die Welt

ankommen würde unserem Sein,

wie selbst wir sind in ihr,

wie man oben ist in ihr.

oder wie man wäre,

wenn es so ist

oder wie es sollt sein

oder einem sollt werden,

würde man nehmen sein Sein.



Hinhören

Mitten

im Lied des eigenen Lebens

innehalten

und in Stille lauschen nur -

all den Tönen gegenwärtig

um herum und hin und hin.



Merken von Anbeginn,

daß von allen Seiten

ständig Neues

uns zu reichen sucht,

kaum daß unser Herz

bereits Erhörtes

nehmen kann

mit dessen

ganzem Klang.



Erinnern darin,

was ähnlich wir gehört

irgendwann

seit genau da,

als unser Leben und Hören

begann.



Spüren,

daß all diese Töne,

die klingen uns da,

folgende nur

des einen sind,

der uns als Erst erklang.



Auch endet

in jedem Jetzt

all das Zuvor

im Vergehen dieses Einen

und zuletzt endet alles im Jetzt

mit diesem einen

immer gleichen Letzten,

von dem man nie weiß:

nachklingt er noch

oder erinnern wir

auch diesen nur als einen,

der dem ewigen Zeichen.



während uns die neue Zeit

überholt genau dort,

wo wir gerade noch waren?



So suchen wir

aus altem Klang zu ahnen,

was uns folgen wird sodann

und können offen nehmen,

was anklingend uns kommen mag

dem eigen stillen Sein entgegen:

nehmend, geniessend all den Sang,

der klinget uns da

als neuer Segen.



Und gerade im Erkennen,

daß diese eine Melodie

schon wieder hat ihr Ende,

erklingt uns eine neue schon

wieder und wieder,

als wäre nie gewesen

dies erste suchende Ahnen

ins erste Still des ersten Tags hinein,

gerade so, als wären ewig wir

für ständig Klänge noch -

dabei dem streichend Sein

über den Wassern gleich.




Ein Wort

Ein Wort

geht durch den Raum,

bricht dort sich hundertfach

und meldet spiegelnd sich

von seinen vielen Seiten,

immer weiter weiter,

da und da.



Seine Kräfte zagen dann

in letzter Endung und Erzweigung

gerade dort,

wo es leise noch

zu hören war

zuletzt.



Es, das einst

als stämmig Laut gestellt

ging in den Raum hinein

und wuchs hinaus

zu finden sich

Orte

der Ankunft

und Erhörung.



Dieses hallet jetzt

als eilend Bote

eignen Seins

zunächst wandelnd noch

im dürrem Geäst

des Bodennahen

und fliesst zweifelnd

weiter dann

zu weiten

in den Lüften sich

und ruft sodann

mit letzter Kraft

sich selbst ins All hinaus

einen eigen Himmel

sich erschöpfend.



Sanft

aber dauernd

greift es hinaus

in diese große Weite

und fliegt und fliegt

nach vielen Seiten

und gibt sich grösser, grösser

allen Wesen werdend

in alles noch,

was es sich

streben kann zuletzt

und strebt und strebt

dann offen weit hinaus

in aller endlich Ewigkeit

und ist zuletzt

nur noch selbst sich laut

und allem neuer Sinn zugleich.



Denn sein Sinn,

der wirkt ins Ganze

und währet ewig weiter an,

als wäre er

zeitlich nie gewesen anderswo

und ruft und ruft

alles sich herbei

und wartet dort und wartet

in diesem Nichts und Überall

und wartet und wartet

zu greifen

das durch sich Benannte sich -

genau dort und dann,

wenn es dann soll kommen

im jetzt und hier -

von ihm herbei gerufen

und stille neu werdend aus ihm.



Ich bin

Umschaue ich

herum um mich

wer da so lebt

im Fern und Nah:

hier sehe ich

so viele da,

die sind gar nicht

bei sich so ganz -

und das nur,

weil die

woanders woll'n sein

als sie es sind

allein aus sich.



Dort jedoch

sind sie

so anders ganz

als sie es wären

gingen sie

zurück in sich

und wären dann

bei sich.



Und weil nun ich

allein bei mir

weit weg

von solchem weile,

das allen diesen

so wichtig erscheint,

scheine auch ich

eben diesen

weit weg

von Meinem zu sein,

indem diese nun meinen,

ich wäre nicht der,

der ich könnte sein,

was ja auch stimmt -

nur nicht so,

wie diese es meinen,

weil ich eben bin

der ich bin.


Ralf Rabemann

zurück
Der Mensch an sich
Ich
Liebe
Orte und Wege
Sein und Werden
Das Eine
Gestern und Heute
Natur

texte/gedichte/wahrnehmungen.txt · Zuletzt geändert: 2010/09/03 02:11 von rabemann
Recent changes RSS feed Mr. Wong Reddit Icio Linkarena del.icio.us Digg StumbleUpon Google Yahoo Driven by DokuWiki