Wahrnehmen


Das einzig Wahre

(inspiriert durch einem buddhistischem Text)

Wer meint,

er wäre in auch nur einer Sache

nahe der Wahrheit,

der möge folgendes bedenken:



Nicht alles Gegenwärtige

gelangt zur Betrachtung.

Nicht jede Betrachtung

gelangt zur Anschauung.

Nicht alles Angeschaute

gelangt zur Wahrnehmung.

Nicht alles Wahrgenommene

erreicht das Erkennen.

Nicht alles Erkannte

gelangt zur Annahme.

Nicht alles Angenommene

wird so behalten, wie es ist.



Und selbst dieses Behaltene

schwindet weiter dahin,

denn ständig wandelt es sich

und ständig formt es sich zu dem,

wie wir es gerne hätten.

Daher bleibt uns

selbst von dem,

was uns auf diesem Weg

vom wahren Sein erreicht,

nur noch ein wenig,

was uns an Wahrem kann sein,

daher schätze ein jeder

sein Sehen der Wahrheit:

als klein.



Hörig

Ich liege im Gras,

mein Hören so nah,

das Grüne so dicht,

und höre ein Wachsen -

was aber wächst,

das höre ich nicht.



Ein Wachsen der Erde?

Oder auch dessen,

was durch mein Hören

ich werde: ein Hörer

oder ein Hören für mich -

oder hörendes Sein

nur so aus sich?



Oder ich höre

ständiges Werden

des Seins überall,

über und über herum

oder all dessen Werden,

von welchem ich meinte,

es wär wie alle meinen,

während dieses uns wird

oder scheinet zu sein

oder scheint nur zu werden

während immer seiend es war,

indem es sich ständig

nur selber erhört,

und wir diesem hörig

ständig nur meinen,

sein Gehen und Mehren

in ewigem Sein

rauschen zu hör'n.


© Ralf Rabemann

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texte/gedichte/wahrnehmungen.txt · Zuletzt geändert: 2019/05/07 23:13 von rabemann
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