Dem Künstler Rabemann gelten Grüße, Segen und Gebete wie alles Gesprochene und Geschriebene und auch Gestaltungen, Zeichen und Bilder als form- wie auch inhaltgebende Elemente nicht nur der Wahrnehmung und des Denkens, sondern auch des Seins und Werdens an sich. 1)
Hierzu sei noch die Meinung des Künstlers angefügt, dass er es nicht für sinnig hält, Gott in Form eines Gebetes oder Wunsches um einzelnes Konkretes zu bitten, indem man solches von ihm als einen sich gegenüber Empfundenen erbittet.
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„Denn Gott ist als eine solche Fülle an Reichtum, Glück und Gnade anzusehen, dass man an diesem Überfluss jeden Teil haben könnte, ohne das daraus ein anderer Mangel entsteht oder eine andere Mühe entstände, das Erwünschte zu empfangen. Daher würde einem wohl immer alles gegeben werden, was erwünscht ist, wenn man ihm ganz angehört und ihn sich ganz angehören lässt.
Wenn man also das nicht hat, worum man bitten will, so kann dies nur darin Grund haben, daß ein dafür erforderliches Maß an Zugehörigkeit und Einheit mit ihm noch nicht vorhanden ist.
Wenn also auf dem Weg zu ihm der Grad einer solchen Nähe und Einheit noch nicht in dem Maße erreicht wurde, welcher diese Fülle eröffnen würde, dann wäre demnach der Weg zum Ziel der Wünsche nicht die Bitte um konkrete Erfüllung eines konkreten Wunsches durch ihn, sondern das Gehen und Erbitten eines Weg der Entwicklung unseres Selbst hin zu einer dazu erforderlichen Nähe und einer dazu erforderlichen Einheit mit ihm.
So kann es auch sein, daß die Erfüllung eines konkreten Wunsches einem Weg zu dieser Einheit eher schaden würde, indem der Wunsch oder das Gewünschte einen Menschen von Gott entfernt, statt diesem sich zu nähern. Hier wäre dann nicht die Zustimmung Gottes zu wünschen, sondern zum einen die Entwicklung zu einer besseren Einsicht in die Qualität der Wünsche und zum anderen ebenso die Entwicklung zur größeren Nähe und Einheit mit ihm, damit gar nicht erst ein solches Maß an innerem Mangel und der daraus folgenden Wirrung entsteht, welches zu solcher Art von Wünschen führen kann.
So kann also insgesamt nur eine Form des Gebets die rechte sein, nämlich die Bitte um zunehmende Teilhabe an seinem Ganzen und die Bitte um Wachstum und Erfüllung in genau dieser Zugehörigkeit zu ihm.
Sinn macht also nur das Gebet um Erkenntnis und das Bitten um bewusstes Erleben seiner Ganzheit in unserem Leben innerhalb der Gesamtheit allen Lebens und allen Seins, welches alles ruht in ihm und zugleich in Gänze durchdrungen ist von ihm - sowie das Bitten, Gott möge vor allen Wegen hüten, welche wegführen von dieser Einheit mit ihm.
Daher sei dies entweder das Hauptanliegen eines jeden Gebetes oder wenigstens die Haltung, in welcher ein konkreter Wunsch vorgetragen wird, damit sich daraus das eine oder auch das andere oder auch beides in Gänze erfüllen möge - wie auch immer es uns zum Besten bemessen sein mag.“
Ralf Rabemann
Insgesamt finden Themen wie Sprache, Worte, wirksame und wandelnde Worte, Bild und Denken, Gott und Glaube schon immer einen festen Platz in Rabemanns Kunst.
Die ersten der hier vorgestellten Texte entstanden 1995 parallel zu den "Gleichnismappen". Im Rahmen dieses Kunstprojektes hat Rabemann zusammen mit den Sindelfinger Künstlern Veit Heller und Daniel Rauhut über 8 Jahre hinweg Bildserien zu biblischen Gleichnissen gestaltet. (Zu allen Mappen sind noch Exemplare erhältlich).
Daraus entstanden später neben weiteren die hier erstmals zusammengestellten Texte des Segnens, Betens und Grüßens, die zum Denken wie auch zum Tun anregen sollen und die wie auch frühere als Beitrag zu sehen sind „zu einer wünschenswerten allgemeinen Geisteshaltung, in welcher Beleidigungen und Kränkungen weniger Sprache und Gehör gegeben wird als einem starken und vernehmbar wirkenden Grüßen und Segnen.“
texte/segen-und-gebete/start.txt · Zuletzt geändert: 2011/09/12 17:29 von rabemann